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Berner Münster dieses Drama. Sein grosser musikalischer Bogen
darf exzessiv ausgekostete Klangsteigerungen und Tempoänderungen umfassen.
Die Choräle (Berner Kammerchor und Vokalkollegium Bern) wirken mitunter, als
hätten sie Angst, frömmlerisch zu wirken: Da muss Tempo her, auch wenn
dadurch Feinzeichnung verloren geht. Der Evangelist (Clemens Löschmann) gibt
seiner Empörung lautstark Ausdruck. Wenn da der Hahn kräht, dann kräht die
Wahrhaftigkeit. Merkwürdigerweise sucht Dähler diese Wahrhaftigkeit weniger
im Orchester. Kaum leuchtender Streicherglanz bei den Worten Jesu‘, keine
schmerzerfüllte Zeichnung von Golgatha.
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Heiliger Johann Sebastian! Empört über so viel Theatralik soll eine
Hörerin anno dazumal gewesen sein, als sie Bachs Matthäus-Passion zum ersten
Mal hörte. Da wird gefoltert und gemordet - und dies alles zum besseren
Seelenheil. Ohren-Abschneiden, Lügen-Verbreiten und was der Empörungen in
dieser Leidensgeschichte noch mehr sind, bekommen bei Bach ihre klangliche
Gewandung.
Jörg Ewald Dähler suchte im Da ist aber noch eine andere Seite:
Diejenige, die Choräle zur möglichst ehrlichen Andachtsmusik erklärt. Die
bemüht ist, pietistisches Pathos zu verbannen. Die in barocken Effekten die
wahren Affekte sucht. In der «das liebe Herz» wahrlich herzzerreissend blutet
(Sopran: Ruth Holton). Beide Seiten gehören dazu: Innen und Aussen. Durchaus
denkbar, dass die Übergänge vom einen ins andere nicht immer geradlinig sein
müssen.
Jörg Ewald Dähler zeigte musikalisch, was ihm wichtig ist: Textauslegung. Wie
bei einem Doppelpunkt lässt er die Instrumente unterstreichen: «So geschehe
dein Wille». Und der Chor antwortet mit Überzeugung: «Wer fest auf Gott
vertraut, den will er nicht verlassen.»
BZ-Kultur, 19.
April 2003
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