Vokalkollegium Berngegründet 1982 |
Trost durch Klangsprache
20 Jahre Vokalkollegium Bern: Jubiläumskonzert mit Werken von Christian Henking und Henry Purcell
Zur Feier des 20-jährigen Bestehens des ursprünglich von Michel Jaccard gegründeten und geleiteten Vokalkollegiums Bern bot der knapp dreissig Sängerinnen und Sänger zählende Elitechor in der Dreifaltigkeitskirche Bern ein Konzert mit acht Anthems von Henry Purcell und dem 2001 uraufgeführten Requiem seines gegenwärtigen Dirigenten Christian Henking.
Bei dieser Bestandesaufnahme mit alter und ganz neuer Musik präsentierte sich das Ensemble als hochmusikalische, wendige und intensiv gestaltende Singgemeinschaft auf staunenswertem Niveau. Falls es dem Chor noch gelingt, einige leicht hervorstechende Einzelstimmen zurückzubinden und sich noch vermehrt der Diktion zuzuwenden, wird das Vokalkollegium regional und national den besten Vereinigungen dieses Genres zuzuzählen sein.
Expressive Interpretation
Die Anthems von Henry Purcell erfuhren rund um die Wiedergabe des Requiems
von Christian Henking angeordnet ebenso subtil durchgearbeitete wie expressiv
bewegende Interpretationen. Der Dirigent Henking achtete mit souveräner
Zeichengebung auf Spannung, auf Mezzavoce-Effekte und auf Verinnerlichung. Mit
dieser Purcell-Ehrung ergab sich eine halbe Stunde der Besinnung und des Trostes.
Das dreiviertelstündige Requiem von Christian Henking zweifellos mehr als
nur eine Talentprobe des unkonventionell komponierenden Berners verzichtet auf
wortgebundene Aussagen und Informationen. Seine Klangsprache entwickelt sich
aus Stimmungen, aus gesungenen oder auch gesprochenen Einzelwörtern und
Einzelsilben. Daraus ergibt sich eine eigenartig diffuse, mystische Atmosphäre,
die eher den Geist und den Intellekt als das Gemüt anspricht.
Die vokalen und die instrumentalen Kräfte verschwimmen zu Klangquellen, die den Kirchenraum zu durchfluten scheinen, aber sich, da sie sich kaum je zu fassbaren Botschaften verdichten, nicht zu klar definierbarem Ausdruck konzentrieren.
Originell, intellektuell
Was Henking in Form eines Requiems geschaffen hat, ist originell und stark vom Kopf her geprägt. Spontaneität und direkte Emotionalität bleiben ausgespart und mit erkennbaren Melodien oder Rhythmen musste sich die Hörerschaft auch nicht auseinander setzen. Alles das hatte zwar Stil und Eigenart, löste aber im Zusammenhang mit der auf April im Stadttheater Bern angesetzten Premiere von Henkings erster Oper «Leonce und Lena» (nach Büchners Theaterstück) nicht nur Hoffnungen, sondern auch Fragen aus. (-tt-)