Liebe und Tod

 

Vokalkollegium Ein apartes, ein originelles Programm hatte sich das nun schon mehr als 20-jährige Vokalkollegium Bern zusammengestellt: Angesagt waren –unter dem Titel «Love’s Tempest» – romantische Chorsätze a capella von britischen Komponisten. Auf verschiedene Texte von William Shakespeare und anderen Autoren hatten Ralph Vaughan Williams und Edward Elgar Werke beigesteuert, die lyrische und auch dramatische, amüsante und auch tiefschürfende, lebensbejahende und auch todessehnsüchtige menschliche Empfindungen in Klänge zu fassen versuchten.

In beiden Fällen – bei Vaughan Williams und bei Elgar – fasziniert die satztechnische Sicherheit der Gesänge, die raffiniert stilistische Elemente der Romantik und des Impressionismus verbinden und die ihre Höhepunkte zumeist in den Pianissimo-Passagen der Chorfinali erreichen. Gerade bei diesen verinnerlichten, leise verklingenden Werkenden zeigten sich die besonderen Qualitäten des in allen Registern ausgeglichen gestaltenden Vokalkollegiums Bern: Nie wurde einfach nur munter, fröhlich und vital drauf losgesungen – die rund dreissig wohl ausgebildeten Sängerinnen und Sänger drangen tief in die seelischen Hintergründe der meisterlich vertonten Texte ein und bestätigten sich dabei als Chorvereinigung der Spitzenklasse.
Der Leiter Christian Henking, dem zweifellos auch die Kombination der Werkfolge zu verdanken war, führte sein Ensemble sicher, kompetent und posenfrei durch die Schwierigkeiten der Chorsätze und differenzierte die Werkaussagen mustergültig. Und das Publikum im gut besetzten Saal des Konservatoriums für Musik in Bern setzte sich mit der einstündigen, durch sympathische Textlesungen klug näher gebrachten Liederfolge mit Aufmerksamkeit und herzlicher Anteilnahme auseinander. Und wieder einmal zeigte sich, dass erfreulicherweise auch Abende mit Programmen abseits der erfolgversprechenden Routine ihre Zuhörerpotenziale und positive Zustimmung zu finden vermögen. (-tt-)

[i] Konzertwiederholungen: Am 29. April um 20 Uhr im Konservatorium für Musik, Kramgasse 36, Bern, und am 30. April um 20 Uhr in der Dorfkirche Steffisburg