Kunst der Unterhaltung
Das Vokalkollegium
Bern brillierte unter der Leitung von Christian Henking
mit populären Melodien
Hervorragend begleitet von Armin Waschke am Klavier, begeisterte das Vokalkollegium Bern bei
seinem Konzert im Konservatorium.
Mit populären Melodien
der Comedian Harmonists,
von Cole Porter, Henry Mancini, den Beatles oder
einem Gershwin-Medley trafen die neunundzwanzig Sängerinnen und Sänger des
Vokalkollegiums Bern nicht allein ganz den Ton des Publikums, sondern insbesondere
auch den eigenen. Mit sichtlichem Spass wechselten sie den Tonfall, den
musikalischen Charakter, die stimmliche Zusammensetzung und natürlich auch
Sprache und Ausdruck. Als vor gut 300 Jahren die bürgerlichen und studentischen
Musikkollegien dem grossen Bedürfnis nach halböffentlichem und öffentlichem
Musizieren in Kaffeehäusern nachkamen, waren Stimmung und Spontaneität
vergleichbar. Gehobene Unterhaltung war das Stichwort.
Auf hohem Niveau
unterhalten werden wollte auch das Publikum der Weimarer Republik. Darum trafen
die Comedian Harmonists in
den frühen Dreissigerjahren so sehr den Nerv des Publikums. Das immer weiter
Kreise ziehende Revival der Comedian
Harmonists hat längst die vielfältigsten Formationen
und Besetzungen erreicht – mit unterschiedlichem Erfolg!
Die mit harmonischen und rhythmischen Finessen gespickten Arrangements haben
bis heute ihre Wirkung nicht verloren. Wie sehr Chorensembles mit der Textmenge
und der Präzision an Grenzen geraten, zeigte sich etwa im «Lieben Hans» des
Frauenchors. Welchen Reiz eben diese kleingliedrigen Stücke auch für Chöre
haben können, demonstrierte aber das Vokalensemble etwa in «Irgendwo auf der
Welt».
Von Porter bis zu den
Beatles
In kleineren Ensembles
und unterschiedlich geglückten Solobeiträgen profilierte sich das Ensemble über
Songs und englische Evergreens von Porter bis zu den Beatles. Mochte es auch
hin und wieder an jener Homogenität mangeln, von denen Songs wie «Moon River»
leben, demonstrierte das Collegium andererseits in
A-cappella-Vorträgen wie «Over the
Rainbow», «Misty» und
«Short People» einen erstaunlich geschlossenen Chorklang.
Den Zuspruch des Publikums im sehr gut besetzten Grossen Saal des
Konservatoriums eroberte sich das Vokalkollegium Bern mit einem Gershwin-Medley
endgültig. Ebenso wenig wie die Namen der Solisten, die als Teil des Ganzen
anonym bleiben wollten, erfuhr man etwas über die Herkunft der Arrangements. In
der Annahme, dass die höchst originellen, aufgrund wechselnder Register auch
recht anspruchsvollen Arrangements zumeist dem Labor des Leiters Christian Henking entsprangen, gehen die Blumen dahin. Brillant
schliesslich der Begleiter Armin Waschke am Klavier.
[i] Weitere Konzerte Freitag, 13. Januar,
im Konservatorium Bern; Samstag, 14. Januar, im Tertianum
Bellevue-Park in Thun. Beginn jeweils um 20 Uhr.