30-köpfiger Chor überzeugt

Das Berner Vokalkollegium trug in der Kirche Gsteig Werke von Johann Sebastian Bach und H. Schütz vor.


 Erwin Kolb

 



Wenn ein Dirigent einen Chor von solch guten und herausra-genden Stimmen leiten darf, wie dies Christian Henking mit dem 30-köpfigen Vokalkollegium Bern vergönnt ist, dann darf er sich getrost daran wagen, A-cappella-Interpretationen von Bach- und Schütz-Werken aufzuführen. Dass dem so ist, das zeigte die gut besuchte Vesper in der Kirche Gsteig. Ob als vier-, fünf- oder gar sechsstimmiger Chor - stets wusste der auf 20-jähriges Bestehen zurückblickende Chor mit Klangschönheit und -reinheit zu überzeugen. Der Entscheid des Leiters lohnte sich, seine Sängerinnen und Sänger nicht im Chorraum, sondern vor dem Taufstein singen zu lassen. Brachte dies doch mit sich, dass die Texte klar und verständlich zum Publikum fanden. So wurde zum ungetrübten Hörgenuss, was Johann Sebastian Bach um 1730 und Heinrich Schütz um 1648 als Motetten, als unvergänglich schöne Chorwerke geschaffen haben. Ausgewogenheit im Klang, feine Abstufung zwischen den Stimmregistern im Chor, dazu die klare und gut wegweisende Leitung durch Christian Henking sorgten dafür, dass die gewichtigen Motetten von Bach wie die durch ihre Schlichtheit begeisternden zwei Motetten von Schütz eine gehaltvolle Vesper ergaben. Eine Vesper, die mit Zugaben aus Bachs Matthäuspassion abgeschlossen wurde. 



Berner Zeitung, BO-Oberland-Ost, 29. Oktober 2002