«Der Bund» Kultur, Ausgabe vom 21.10.2004
Das dreissigköpfige Vokalkollegium Bern, mittlerweile zum Twen herangereift, zeichnet sich seit jeher durch ausserordentlich subtile und sensible Piano-Kultur aus. Auf diesem Spezialgebiet nimmt die Chorgemeinschaft einen ganz besonderen Rang ein – schöner, schwebender und sicherer in der Intonation gestaltet kaum eine Vokalvereinigung derartige Stellen.
Dieser Vorzug war auch im Konzert des Vokalkollegiums in der gut besuchten Nydeggkirche zu beobachten, das unter dem Motto «i Himmelen» Kompositionen romantischer Autoren enthielt. Neben Werken von bekannten Meistern wie Mendelssohn, Reger und Bruckner wurde auch Selteneres dargeboten: Chorsätze von Josef Rheinberger, den man neu zu entdecken beginnt, von Edvard Grieg und von Ludvig Norman. Gerade die drei Beispiele skandinavischer Herkunft weckten besondere Aufmerksamkeit, kam in ihnen doch nordisch-melancholisch gefärbte Romantik in Reinkultur zum Ausdruck.
Von Christian Henking ebenso strukturklar wie beseelt angeführt, widmete sich das Vokalkollegium mit Können, Wissen, Disziplin und Einsatzfreude den zehn Nummern des Programms und auch der Zugabe in Form des «Abendliedes» von Josef Rheinberger.
Am runden Vollklang, an der vorbildlichen Textausdeutung und an der Flexibilität der Nachvollzüge gab es nichts auszusetzen – einzig ab und zu unerwünscht hervortretende Einzelstimmen wären noch zu bändigen und in die Gesamtwirkung einzubinden. Die angenehm kurz-konzentrierte Veranstaltung löste berechtigte Zustimmung aus: Das Vokalkollegium Bern hat seine Stellung im reichen Chorleben der Stadt und der Region Bern ein weiteres Mal unter Beweis gestellt. (-tt-)
[i] Wiederholungen:
Nydeggkirche: 22. 10. 20 Uhr;
Dorfkirche Steffisburg: 23. 10. 20 Uhr;
Stadtkirche Burgdorf: 24. 10. 18 Uhr.